Wenn alltägliche Bewegungen schmerzhaft werden
Ein stechender Schmerz beim Öffnen einer Tür, ein Ziehen beim Anheben einer Tasche oder eine spürbare Schwäche beim Greifen – Beschwerden im Bereich des äußeren Ellbogens treten oft unerwartet auf. Die Diagnose lautet dann nicht selten Tennisarm, obwohl die meisten Betroffenen mit Tennissport keinerlei Berührungspunkte haben.
In der klinischen Praxis zeigt sich dieses Beschwerdebild heute vor allem bei Menschen, deren Alltag von einseitigen, wiederholten Belastungen geprägt ist – sei es durch Bildschirmarbeit, präzise Handbewegungen oder dauerhaft erhöhte muskuläre Grundspannung. Der Tennisarm ist damit weniger ein Sportproblem als vielmehr ein typisches Phänomen moderner Arbeits- und Lebensweisen.
Was medizinisch hinter dem Begriff „Tennisarm“ steckt
Ursachen jenseits des Sports
Die Entstehung eines Tennisarms ist in der Regel multifaktoriell. Besonders häufig finden sich Zusammenhänge mit:
- langandauernder Arbeit an Maus und Tastatur
- statischen Haltearbeiten der Hand
- manuellen Tätigkeiten mit geringer Variabilität
- kompensatorischer Überlastung bei eingeschränkter Schulter- oder Nackenbeweglichkeit
Nicht selten übernehmen Unterarm und Ellbogen Aufgaben, die funktionell eigentlich von Schultergürtel oder Rumpf getragen werden sollten. Der Schmerz ist dann weniger das eigentliche Problem, sondern vielmehr das Resultat einer gestörten Bewegungsökonomie.
Typische Symptome und Verlauf
Der Beginn ist meist schleichend. Zunächst treten Beschwerden nur unter Belastung auf, später auch bei alltäglichen Bewegungen oder in Ruhe.
Charakteristisch sind:
- lokalisierte Schmerzen an der Außenseite des Ellbogens
- spürbarer Kraftverlust bei Greifbewegungen
- Druckschmerz über dem Sehnenansatz
- Ausstrahlung in Unterarm oder Hand
Unbehandelt kann sich ein Tennisarm über Monate manifestieren und die funktionelle Belastbarkeit deutlich einschränken – insbesondere bei beruflichen Tätigkeiten, die Präzision und Wiederholung erfordern.
Warum reine Schonung selten ausreichend ist
Kurzfristige Entlastung kann sinnvoll sein, langfristige Immobilisation hingegen führt häufig zu weiterem Kraftverlust und verzögerter Regeneration. Entscheidend ist nicht die vollständige Vermeidung von Belastung, sondern deren qualitative Anpassung.
Eine nachhaltige Therapie setzt daher nicht ausschließlich am schmerzhaften Areal an, sondern berücksichtigt die gesamte funktionelle Kette von Schulter, Arm, Hand und Rumpf.
Osteopathische Perspektive: funktionelle Zusammenhänge erkennen
In der Osteopathie wird der Tennisarm nicht isoliert betrachtet. Stattdessen steht die Frage im Vordergrund, warum genau dieser Sehnenansatz überlastet wird.
Häufig zeigen sich funktionelle Einschränkungen im Bereich:
- der Schulterblattführung
- der Hals- und oberen Brustwirbelsäule
- des Handgelenks
- der faszialen Spannungsverhältnisse des gesamten Arms
Durch manuelle, fein dosierte Techniken werden Beweglichkeit, Gewebespannung und Durchblutung reguliert. Ziel ist es, die strukturelle Belastung zu normalisieren und die Selbstregulation des Körpers zu unterstützen – nicht, Symptome isoliert zu unterdrücken.
Die Rolle der Physiotherapie
Physiotherapie ergänzt diesen Ansatz durch gezielten Belastungsaufbau. Im Mittelpunkt stehen dabei nicht maximale Kraft, sondern kontrollierte Stabilität und ökonomische Bewegung.
Zum Einsatz kommen unter anderem:
- spezifische Kräftigung der Unterarm- und Schultermuskulatur
- exzentrische Trainingsformen
- Mobilisation angrenzender Gelenke
- Anpassung ergonomischer Arbeitsbedingungen
Diese Kombination ermöglicht es, den betroffenen Arm wieder belastbar zu machen und Rückfällen vorzubeugen.
Empfehlungen für den Alltag
Auch außerhalb der Therapie lassen sich entscheidende Impulse setzen:
- bewusste Variabilität bei Arbeitsbewegungen
- regelmäßige Positionswechsel
- ergonomisch abgestimmte Arbeitsmittel
- moderates Dehnen und Durchblutungsförderung
- realistische Belastungssteuerung statt Überforderung
Gerade in Berufen mit hoher geistiger Belastung zeigt sich, dass körperliche Beschwerden stark vom Arbeitsalltag beeinflusst werden.
FAQ – Häufige Fragen zum Tennisarm
Wie lange dauert die Regeneration?
Je nach Ausprägung mehrere Wochen bis Monate. Eine frühzeitige, gezielte Therapie verkürzt den Verlauf deutlich.
Sind Bandagen sinnvoll?
Als kurzfristige Unterstützung ja – sie ersetzen jedoch keine funktionelle Behandlung.
Ist Osteopathie bei Tennisarm sinnvoll?
Ja, insbesondere dann, wenn übergeordnete funktionelle Einschränkungen vorliegen.
Sollte sportliche Aktivität vermieden werden?
Nicht zwingend. Entscheidend ist eine angepasste Belastung und saubere
Fazit
Der Tennisarm ist weniger eine lokale Erkrankung als Ausdruck funktioneller Überlastung in einem komplexen Bewegungssystem. Eine differenzierte Betrachtung, die den gesamten Bewegungsapparat einbezieht, ermöglicht nachhaltige Besserung und reduziert die Rückfallwahrscheinlichkeit erheblich.
Im Gesundheitswerk Wien verbinden wir osteopathische und physiotherapeutische Ansätze zu einem individuellen, fundierten Behandlungskonzept – abgestimmt auf die Anforderungen Ihres Alltags.

